Wenn ich zurückschaue
Dann schaue ich zurück zu den Zeiten als du versuchtest dich zu verstecken
In deinen zerbrechlichen Phantasiewelten
Letztendlich, letztendlich bin ich genau wie du (Rhodes; Close your eyes)
„Schau nicht zurück!“, sagte die Zukunft. Zukunft und Gegenwart hatten sich beide fest im Blick. Beide hoffnungsvoll Hand in Hand am Meer sitzend.
Doch die Vergangenheit ist solange lebendig, so lang sie noch schmerzt. An manchen Abenden igelt sie sich ein. Ein Kokon aus Erinnerungen. Eine Melodie aus vergangenen Tagen. Es reicht ein Gedanke. Ein Foto. Ein Wort. Und ALLES ist da. Und dann die Frage nach dem großen WARUM?
„Wohin soll ich meinen Blick richten?“, fragt die Gegenwart verzweifelt.
„Nur nach vorn.“, entgegnet ihr die Zukunft. „Die Vergangenheit hat dir nichts Neues zu erzählen.“
Die Gegenwart hob den Blick und sah ins Ungewisse. Vor ihr der große unbekannte Ozean. Sie seufzte.
„Ja. Du hast Recht. Doch woher weiß ich, dass die Vergangenheit wirklich vorüber ist?“
Die Zukunft schaute die Gegenwart liebevoll an. Fast so, als würde sie ihr den Schmerz von der Seele nehmen können.
„Wirklich Vergangenheit ist es erst, wenn es nicht mehr weh tut.“, sagte die Zukunft und strich ihr sanft durchs Haar.
Die Gegenwart fing an zu schluchzen. Tränen liefen über ihr trauriges aber wunderschönes Gesicht. Sie zitterte.
„Schhhht.“, flüsterte da auf einmal die Vergangenheit. Ganz leise. Die Gegenwart hörte sie kaum. „Schhhht, liebste Gegenwart. Alles ist gut. Ich will dich nur auch ab und zu an die schönen Zeiten erinnern.“
Die Gegenwart blickte zurück. Es tat so weh! Schöne Zeiten? Warum war es dann vorbei?
„Was siehst du?“, fragte die Vergangenheit die Gegenwart und legte ihren Arm um sie.
„Ein Fluß der rückwärts fließt.“, sagte die Gegenwart ehrfürchtig.
Tage, Wochen, Jahre vergingen im Rückwärtstlauf. Vom unendlichen stillen Meer zur sprudelnden lebendigen Quelle. Ein Strom welcher klein und zaghaft begonnen hatte. Voller Hoffnung und Mut, sich in die unbekannte Wildnis zu stürzen. Viele Gefahren mussten sie bestehen. Viele Steine umfließen. Viele Strömungen überwinden. Zwischendrin drohte der Quell in der Dürre zu versickern.
Die Gegenwart weinte bitterlich.
„Was siehst du noch?“, fragte die Zukunft und rückte näher an ihre Seite. Sie wollte sie schützen und Mut machen.
„Ich sehe einen unruhigen Strom der zu groß wurde. Nicht mehr beherrschbar. Man versuchte ihn zu begradigen. Doch der Fluß sträubte sich dagegen.“ 
„Was geschah dann?“, fragten Vergangenheit und Zukunft gemeinsam.
„Der Strom teilte sich und verschwand mit kilometerweitem Abstand im Meer des Lebens.“, flüsterte die Gegenwart mit tränenerstickter Stimme.
Die Vergangenheit und Zukunft blickten liebevoll auf die Gegenwart und nahmen sie in den Arm.
„Ich bin die Quelle.“, sagte die Vergangenheit rechts neben ihr sitzend. „Die Quelle und der kleine Fluß und auch der Strom. Ich bin die Stromschnellen und die Dürre.“
„Und ich bin das Meer.“, sagte die Zukunft links von ihr. „Wir sind dort alle vereint. Du liebe Gegenwart sitzt mit uns hier an den Klippen und kannst uns nicht trennen.“
Die Gegenwart schaute beide mit feuchten Augen an. Nachdenklich sah sie zurück. Gedankenversunken schaute sie auf das offene Meer.
Sie griff beide Hände. Links und rechts. Und lächelte. Und sprang.

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