Zehn Jahre. Könnt ihr euch das vorstellen? Zehn Jahre lang war diese Geschichte meine treue Begleiterin – manchmal eine schweigsame, manchmal eine zickige, aber immer eine, die mich nicht losgelassen hat. Ich habe in Archiven gewühlt, bis meine Augen tränten, ganze Kapitel gelöscht, weil sie einfach nicht stimmten, nachts wach gelegen und Dialoge im Kopf hin- und hergewälzt. Es gab Momente, da wollte ich alles hinschmeißen. Und andere, da wusste ich: Das hier ist genau mein Ding.
Jetzt ist es endlich so weit: Spätlese – Lang lebe die Königin verlässt meinen chaotischen Schreibtisch und macht sich bereit für die große weite Welt.
(mehr …)

kurz vor 21 Uhr und ich hatte schon eine Flasche Dornfelder getrunken. Während ich mit der Rotweinflasche die zweite Halbzeit anbrach, hatte man von meinem Tisch am
Sommers letzten Tage gezählt waren. Meine Füße wurden schnell kalt auf den petrol-sandfarbenen Ornamentfliesen. Mir fiel ein, dass ich auf dem Dachboden meiner Eltern nach einem kleinen Läufer für den Küchenboden schauen wollte. In den verwaisten Ecken der Bäckerei bewahrten meine Eltern noch Möbel und Andenken meiner beiden Großeltern auf. Hier hatte ich mir einige Sachen schon zusammengeklaut, um die traurigen Erinnerungen meines Onkels mit schönen Erinnerungen meiner Großeltern zu vereinen. Nicht, dass ich über den Tod meiner Großeltern nicht traurig gewesen wäre, doch sind sie – wie der Lauf der Dinge es nun mal von jedem von uns verlangt – eines natürlichen Todes verstorben. Mein Onkel jedoch wurde viel zu früh und zu plötzlich aus dem Leben gerissen.
und andererseits hatte sie meinen Respekt, dass sie es trotz der offiziellen Hürden geschafft hatte, mit fünfundzwanzig die in der Historie älteste Weingebietskönigin zu werden. Details aus dem privaten Interview wollte ich in der Woche nach dem Winzerfest in einem gesonderten Artikel liefern. Am liebsten hätte ich sogar eine kleine Fotostrecke mit Nancy und ihrer Tochter gemacht. Mir war es wichtig den Lesern aufzuzeigen, dass man kein Versager war, wenn man in die Heimat zurückkehrte. Der Grund der Rückkehr war meistens Heimatverbundenheit und Sehnsucht nach Vertrautheit. Sicher gab es viele junge Menschen, die in neuen Wohnorten Fuß fassten und sich dort wohlfühlten. Doch dann gab es solche wie mich, die immer diese tiefe Sehnsucht nach ihrem Zuhause hatten. Ich gebe zu, dass dieser Ansatz die Artikelstrecke zu bringen sehr persönlich anmutete.





